Herbstgold – Bilder und Zeilen, weiter nichts!

„Welche ist deine Lieblingsstadt?“, fragte der gross gewachsene Mann mit dem dunklen Bart und den blonden, lustigen Locken, die sich mit dem Wind bewegten. Er stellte diese Frage, als sei sie ernst gemeint. So, als sei es nicht eindeutig, wo sie jeden Tag aufs Neue ihr Herz verschenkt und dafür unendlich viele zurückbekommt. Sie, die sie doch jeden Tag mit Herzhüpfen durch die Strassen lief, singen könnte vor Glück und mit niemals endender Entzückung für diese Gässchen, den See und den Charme jede Nacht glücklich war, hier zu sein. Diese Stadt, die Nacht für Nacht ihre Träume füllte, sie fast platzen liess, weil die Erfüllung so gross war, dass sie kaum Platz in den Träumen fand; ja noch nicht einmal in ihr selbst.

„Weisst du es denn nicht?“, frage sie ihn zurück. In seinem Gesicht zeichnete sich ein riesengrosses Fragezeichen ab. Er kannte sie doch, sah sie lachen und weinen. Sah sie im Sonnenlicht und im Schatten des Mondes. Er spürte morgens ihre schlafwarme Haut und streichelte ihr Gesicht im Glanz ihrer wunderschönen Augen, bevor sie das bezauberndste Lächeln zeigte, das er jemals gesehen hatte. Er wusste, dass sie jeden Morgen Tee trank, noch bevor sie ihr erstes Wort über die Lippen rollte. Doch ihre Lieblingsstadt? Es war nicht zu übersehen, dass er vergebens nach der Antwort in all seinen tausenden von Gehirnwindungen suchte. Dass er fast Knoten bekam, weil er sich so anstrengte und überlegte. Sein rechter Mundwinkel zuckte nervös, er suchte und suchte nach der Antwort. Er fand sie nicht. Er fand sie nie – die Antwort und auch die Frau nicht.

Herbstgold leuchtete vom strahlend blauen Himmel, tauchte die Blätter in Farben, zeichnete Nebelschwaden in die frühesten aller Morgenstunden, machte Wellen ins kalte Wasser und liess Buntes davon treiben. Ihre ledernen Schuhe stapften durch das Laub, welches von den Bäumen fiel und sich häufte. Raschelten mit den Blättern um die Wette und stolperten ab und zu über einen Stein, wenn die Tagträume Überhand nahmen und sie beinahe aus dieser Welt trugen. Ihre Augen funkelten durch das Licht der Sonne und noch mehr durch die Stadt. Sie sah so glücklich aus; sie war es. Im Hintergrund waren Boote, waren Kirchtürme, waren Menschen. Es waren viele Menschen, sehr viele. Sie stand da, alleine – alles lief an ihr vorbei – sie lächelte. Den Blick gerichtet auf den See, das Blau, und die Schönheit. Diese Energie, spürbar und so kraftvoll. Wie kann man diese Vollkommenheit nur verkraften? In dem man sie gehen lässt; um sie wieder und wieder zu entdecken; jedes mal mit neuem Herzhüpfen und endlosen Träumen. Immer und immer wieder.

In diesen Augenblicken wusste sie es wieder: sie hatte ihr Herz verschenkt und tausende zurückbekommen; sie war gefangen – gefangen in der Freiheit dieser wunderschönen Stadt.

Herbst 2015

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